Liebe Leserinnen und Leser,
warum eignen sich die Sustainable Development Goals (SDGs) besonders gut für die Bildungsarbeit im Sinn des Globalen Lernens? Zum einen, weil sie – anders als frühere globale Programme – institutionell stärker im Bildungssystem verankert sind: In Österreich sind sie explizit in den Lehrplänen genannt, in Deutschland gelten BNE und die SDGs als übergreifender Ansatz, dessen konkrete Verankerung sich von Bundesland zu Bundesland unterscheidet. Zum anderen, weil sie systemisch gedacht sind: Ökologische Fragen wie der Erhalt eines gesunden Planeten sind untrennbar mit sozialen Fragen von Verteilungsgerechtigkeit, Frieden, Grundrechten und Demokratie verknüpft. Das entspricht sehr gut dem systemischen Selbstverständnis des Globalen Lernens und der Idee einer kollektiven Mit-Verantwortung als Bildungsziel einer Global Citizenship Education. Weil sich die 17 Ziele zudem gut mit lokal umsetzbaren Lösungen verbinden lassen und alle gesellschaftlichen Akteur:innen – von Regierungen über Unternehmen bis zur Zivilgesellschaft – in die Pflicht nehmen, eignen sie sich besonders gut für handlungsorientierte Bildungsarbeit.
In diesem Punkt liegt aber auch ein Risiko, das wir in der Praxis immer wieder beobachten: Lösungen werden zu einfach und zu lokal gedacht. Schulen sammeln gerne Plastikmüll, bauen Bienenhotels oder verbessern die Mülltrennung – sinnstiftende, gut umsetzbare Aktionen, die aber von den größeren, oft konfliktreicheren Hebeln ablenken können: etwa der Diskussion über Flugreisen bei Schulveranstaltungen oder einer kritischen Auseinandersetzung mit kolonialen Verstrickungen. Auch die Tendenz, sich vor allem auf Umweltfragen zu konzentrieren, ist nachvollziehbar – und im Sinn der globalen Verantwortung auch triftig, greift aber letztlich zu kurz. Ein wesentlicher Kern der Agenda 2030 ist, dass soziale und ökologische Fragen zusammengedacht werden müssen – im schulischen Kontext eine Einladung zu fächerübergreifender Arbeit. Kritische Reflexion, das Verknüpfen von Zusammenhängen und Perspektivenvielfalt – global wie lokal, sozial wie ökologisch, machtkritisch und partizipativ – sind daher elementare Voraussetzungen für die Erreichung von SDG 4.7: einer Bildung, die Lernende befähigt, eine nachhaltige Entwicklung umzusetzen.
Mittlerweile gibt es zahlreiche Bildungsangebote und Materialien zu den SDGs. Auf der Plattform bildung2030.at sammeln österreichische Organisationen des Globalen Lernens und der BNE geprüfte Angebote zu den einzelnen Zielen. Südwind hat dazu ein SDG-Quiz entwickelt (online und als Kartenset, in zwei Schwierigkeitsgraden), das gerne mit dem SDG-Glücksrad bei Veranstaltungen eingesetzt wird. Für die Jüngsten gibt es Ideen bei den Creative Storytellers, für ältere Zielgruppen wurde 2023 gemeinsam mit dem Welthaus Bielefeld das Arbeitsmaterial „17 Ziele für eine bessere Welt" neu aufgelegt. Viele weitere Materialien und Veranstaltungshinweise zum Schwerpunkt SDGs in der Schule und Bildungsarbeit finden Sie in dieser Ausgabe.
Susanne Loher
Bildungsbereichsleitung bei Südwind
Die Bildungsarbeit von Südwind – Verein für Entwicklungspolitik und globale Gerechtigkeit mit Sitz in Österreich macht im Sinne des Globalen Lernens komplexe globale Zusammenhänge verständlich und fördert Kompetenzen für kritische, mündige Weltbürger:innen. Mehr: www.suedwind.at/bilden.